Zur Geschichte der Sängervereinigung 1847 / 1925 Haßloch  

In einer politisch unruhigen Zeit, 15 Jahre nach dem Hambacher Fest und nur ein Jahr vor der Einberufung der Deutschen Nationalversammlung in Frankfurt und im Gefolge des Einheitsgedanken gründeten Haßlocher Bürger und Bauern mit gnädigster Erlaubnis der bayrischen Regierung in München einen Männergesangverein. Seine Ziele waren eindeutig politisch, denn die Gründer wählten als Farben für ihre Fahne Schwarz-Rot-Gold, die Farben der Republik. Daß die für Haßloch zuständige Genehmigungsbehörde in Speyer den dörflichen Bittstellern die Gründung erlaubte, zeigt, wie verunsichert die Monarchie damals gewesen sein muß.

Daß die Gründer der Zeit Tribut zollen mußten, zeigt der §1 der ersten Satzung:

Zweck des Vereins ist:

a.) Ausbildung und Vervollkommnung in ein- und mehrstimmigen Gesängen.

b.) Weckung und Belebung des sittlichen Gefühls, so wie der Vaterlandsliebe.

c.) Verherrlichung des Gottesdienstes, besonders an hohen Feiertagen.

d.) Musikalische Unterhaltung.

 

Allerdings hat sich daran bis heute wenig geändert. Der Verein legt immer noch großen Wert auf eine gute Ausbildung, bietet sowohl musikalische Unterhaltung auf der Bühne als auch bei Kirchenkonzerten, legt Wert auf ordentliches Auftreten und mangelnder Vaterlandsliebe kann man den Sängern auch nicht nachsagen.

An dieser Entwicklung haben vor allem die Dirigenten großen Anteil. Drei von ihnen, Heinrich Zöller, Friedrich Vollweiler und der derzeitige, seit 1955 hier tätige Chorleiter, Musikdirektor Siegfried Salten, haben zusammen über hundert Jahre, das heißt zwei Drittel seines Bestehens, den Verein musikalisch geführt.. Dies zeigt, in welch großer Harmonie und Beständigkeit Vereinsführung und musikalisch Verantwortliche zusammen mit den Sängern ihrer Aufgabe nachgehen, das Lied zu pflegen, nicht mehr, wie ursprünglich, allein das deutsche Lied, sondern Musik aus aller Welt, die oft in der Ursprache gesungen wird.

Daß wir heute in Haßloch eine Sängervereinigung haben, ist ebenfalls politisch bedingt. Da der Ort zum Großdorf gewachsen war, bildeten sich, besonders nach dem 1. Weltkrieg, weitere Gesangvereine, die teilweise Parteien oder Vereinen angeschlossen waren. Dem setzen die Nationalsozialisten ein Ende. Linke Chöre wurden verboten oder in die zwei verbleidenden, Männergesangverein und die Einigkeit, integriert. Aber auch diese sollten, weil Größe politisches Ziel geworden war, bereits 1933 zwangsvereinigt werden, wogegen sich beide mit aller Macht wehrten. Erst 1937 war der Druck so groß geworden, daß sie sich doch zur Sängervereinigung 1847/1925 zusammenschließen mußten.

Der verlorene Krieg setzte dem Chorgesang zunächst ein Ende. Nur zögerlich durften Kultur- und Sportvereine wiedergegründet werden. Über den Umweg "Eintracht Haßloch" gelang es 1949, die Sängervereinigung neu zu konstituieren, denn eine erneute Trennung in Einigkeit und Männergesangverein wollten die Sänger nicht mehr.

Mit der Neugründung begann der unaufhaltsame Aufstieg zum weltweit auftretenden Chor, der die Sänger außer in viele Städte Europas bis nach Afrika, Amerika, Kanada und Australien führte.

Die Qualität des Chores zog und zieht auch Sänger von außerhalb Haßloch in den Verein. Diese sind herzlich willkommen, helfen sie doch, in der heutigen, für Chöre schwierigen Zeit Qualität und Zukunft zu sichern.



Schätze der Sängervereinigung

Die Sängervereinigung hütet zwei Schätze, ihre Fahnen und ihre Protokollbücher. So sind noch alle Fahnen vorhanden, vom alten Gesangverein die Gründungsfahne von 1847 und die Jubiläumsfahne von 1872 nebst einer Fahnenschleife von 1922, die Fahne der „Einigkeit“ von 1932 nebst einer Fahnen- schleife aus dem gleichen Jahr sowie die Vereinigungsfahne von 1938 nebst zweier Fahnenschleifen von 1950 und 1952. Daß noch alle Fahnen vorhanden sind, verdankt der Verein tapferen Frauen, die diese gerettet haben. 1919 war es Katharina Rothaug aus der Eisenbahnstraße 7. In deren Haus hatte sich der französische Ortskommandant eingenistet. Irgendwie war es diesem gelungen, die Gründungs- fahne von 1847 zu „erobern“ und sie unter seinem Bett zu lagern. Von dort hat sie Frau Rothaug „zurückerobert“ und beim damaligen Vorsitzenden, Peter Lätsch, unauffindbar versteckt, so lange, bis die Franzosen wieder abgezogen waren. 1945 drohten alle Fahnen verloren zu gehen. Zwar war es gelungen, sie vor den einmarschierenden Amerikanern im Schuppen des damaligen Vorsitzenden Heinrich Scheurer in der Langgasse 65 zu verstecken, aber als im Juni die Franzosen das Dorf besetzten, richteten sie ausgerechnet in diesem Haus ihre erste Kommandantur ein. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis sie alle Gebäudeteile durchwühlen und die Fahnen finden würden. Da schafften vier Frauen, Lisette und Luise Scheurer aus dem betroffenen Haus sowie Erna Hubach und Philippine Lorch von gegenüber, Langgasse 64, so „zwischen Tag und siehst mich nicht“, d.h. in der Dämmerung, alle Fahnen und Schleifen in das Schlafzimmer von Frau Lorch und versteckten sie unauffindbar in ihrer Kastenmatratze. Frau Rothaug war für ihre Tat zum Ehrenmitglied ernannt worden. Die vier anderen hat man im Durcheinander der Nachkriegszeit vergessen. Den zweiten Schatz bilden die Protokollbücher, die lückenlos die Zeit überdauerten. Man hat sie während des Krieges aufgeteilt und verschiedenen Sängern anvertraut. Es war schwierig, später wieder alle zusammenzutragen, weil ein Teil derer, die die Bücher aufbewahrten, während des Krieges oder bald danach gefallen oder gestorben waren. Der letzte Band tauchte tatsächlich erst 1999 wieder auf. Die Protokolle sind während der ersten hundert Jahre fast ausschließlich in Kurrentschrift, in der altdeutschen Schreibschrift, geführt worden, die die heutige Generation gar nicht mehr lesen kann, besonders, wenn die Handschrift sehr individuell ausgeprägt ist.

Der Sänger Dr. Wolfgang Hubach hat sich deshalb die Mühe gemacht, die Protokolle in eine moderne Druckschrift zu übertragen. Die Vorstandschaft lässt die Bücher im Kopierverfahren drucken und an Interessenten verkaufen. Bisher liegen die beiden Protokollbücher des Gesangvereins von 1847 vor, die bis zur Zwangsvereinigung zur Sängervereinigung im Jahre 1936 reichen sowie die beiden Protokoll-bücher der „Einigkeit“, die ebenfalls mit dem Jahr 1936 enden und die 16 Seiten der ersten Sänger-vereinigung aus der Zeit nach der Zwangsvereinigung enthalten. Alle übertragenen Bücher können bei der Landesbibliothek in Speyer eingesehen, selbstverständlich auch beim Verein erworben werden. Die etwas umfangreicheren Exemplare des Gesangvereins von 1847 kosten 15 € pro Band, die schmaleren Bände "Einigkeit" je 10 € pro Band..

Inzwischen erschien der erste Teilband aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Er enthält die Proto-kolle der "Eintracht", wie der erste wieder zugelassene Verein genannt werden musste, sowie die ersten Jahre der wiedergegründeten Sängervereinigung, umfasst somit die Jahre 1947 bis 1952 mit den wichtigen Ereignissen Wiedergründung unter der Aufsicht der Besatzungstruppen, Hundertjahrfeier und Dirigentensuche bis zu Siegfried Salten, der den Chor rund 50 Jahre leitete..

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